25 %

3 Monate weg von zu Hause. 
Die Zeit ist wie geflogen. Die letzten drei Monate waren halb gut und halb schlecht. Aber für das was ich jetzt im Moment habe hat es sich definitiv gelohnt die schlechte Zeit durchzuziehen. 
Das jetzt schon ein Viertel vorbei ist ist irgendiwe unrealistisch aber auf der anderen Seite freue ich mich schon jetzt auf den Tag an dem ich euch alle wieder in die Arme schließen kann. 
Wann auch immer dieser sein wird. (meine Gastmutter hat heute das erste mal verlängern angesprochen)
Eigentlich fühle ich mich sehr geehrt weil das bedeutet, dass sie mich mögen und meine Arbeit gut finden. 
Ich habe ihr gesagt, dass meine Eltern mich wahrscheinlich hassen würden und sie meinte dann als Eltern kann man sich mit allem anfreunden solange die Kinder glücklich sind ! :) 
Das fand ich ein sehr süßer Satz. 
Aaaber ich glaube niemand der mich voller Hoffnung erwartet ( :D ) muss Angst haben. 
Ich mache meine 13 Monate und dann komme ich wieder dahin wo mein Herz hingehört ! :) 

 

Übrigens haben meine Kids was sehr süßes für mich gemacht ! 
Irgendwie laufe ich immer sehr nach an Wänden vorbei oder an Ecken, was zu Hause sehr oft dazu geführt hab das ich am Türrahmen oder an der Klinke hängen geblieben bin. Hier in meiner Gastfamilie hängen in der EIngangshalle Fotoregale auf Armhöhe und da ich immer wieder so eng um die Kurve gehe renne ich immer wieder dagegen, was meine Kids dann total witzig finden weil ich dann auch ganz laut aua schreie. Mittlerweile kommt dann nur noch : Ah Nadine ist wieder gegen das Regal gelaufen.. 
Verpeilt und schusselig werde ich wahrscheinlich immer bleiben :) 
Um die blauen Flecken aber zu vermeiden haben die Kids mir ein Stoppschild gemalt und aufgehangen damit ich nicht mehr dagegen laufe ! 
SOOOOO SÜÜß! *.*

Heute soll ich versuchen, meine Gedanken aufzuschreiben.

Der erste Gedanke war:

Nadine`s Traum – Unser(Alp-)Traum

als es hieß :

,,Mama, ich gehe für ein Jahr nach Amerika!"

Ich weiß noch genau, wo es war, als sie es uns im Auto gesagt hat. Wir haben sie zu Info-Veranstaltungen an die

FH in Trier gefahren. Dort hat sie sich bei einer Organisation Info-Material geben lassen.

,,Lass sie mal träumen", so dachten wir.

Durch Bekannte hörten wir von der Organisation Cultural Care. Ihre Tochter war auch ein Jahr in Amerika und sie haben uns die Organisation empfohlen.

Nadine hat sich direkt mit der Organisation in Verbindung gesetzt. Einige Zeit später saßen wir in Trier bei einer Info-Veranstaltung von CC und Nadine hatte schon ihren ersten Test.

Mir ging es an diesem Tag gar nicht gut, weil ich merkte sie kommt ihrem Traum immer ein Stückchen näher.

Sommerferien 2013

Nadine macht ein 3wöchiges Praktikum im Kindergarten Rachtig, damit sie genug Stunden hat, die sie vorweisen muß.

Wieder ein Stück näher Richtung Amerika.

 

Formulare mussten ausgfüllt werden.

Der nächste Schritt : CC wollte wissen, wie Nadine mit ihr anvertrauten Kindern umgeht. Einige Menschen aus unserem Umfeld wurden von der Organisation angerufen.

Dann kam der Tag als sie ihre Bewerbung losgeschickt hat.

Wieder ein Stück näher Richtung Amerika.

Irgendwann hieß es, ich bin frei geschaltet.

Der nächste große Schritt Richtung Amerika.

Anfang Januar hatten wir Besuch von Herrn Saji. Er war vor Jahren in unserer Seelsorgeeinheit tätig und Nadine kannte ihn aus ihrer Messdienerzeit. Nadine hat ihm erzählt, sie wolle nach Amerika gehen, habe aber noch keinen Familienvorschlag. Herr Saji meinte ich nehme dich in mein Gebet auf und wenn es nicht mit Amerika klappt, kann ich dir sicherlich einen Platz in Indien besorgen.

Ich kann gar nicht beschreiben, welche Gedanken mir dann kamen.

„Was ist nun besser Amerika oder Indien?"

Am selben Abend dann:

,, Mama ich habe einen Familienvorschlag“.

Mailen und skypen mit der Familie stand nun auf dem Programm. Auch wir haben mit der Gastmutter und auch mit dem Aupair geskypt.

 

 Es hörte sich alles so gut an.

Zu wissen, dein Kind kommt in eine Familie, in der sie ein Familienmitglied ist und nicht nur der „Aufpasser für das Kind/die Kinder“ war für mich eine Erleichterung, wenn Nadine schon so weit weg ist.

Alles wurde klar gemacht.

Tag X kam immer näher.

Es war nicht mehr ein Traum, es wurde Realität.

Abschiedsparty`s wurden gefeiert (Mama durfte nicht weinen)

Es wurde geweint, wenn Nadine nicht zu Hause war oder bei Steffi damit Nadine, es nicht sieht.

Erst richtig begriffen, das sie jetzt für solange weg ist, habe ich erst, als sie in Frankfurt mit einem Lächeln im Gesicht, durch die Zollkontrolle ist.

Dank Whatts App und Skypen und die täglichen Berichte war einem manchmal gar nicht klar, wie weit Nadine von uns weg ist.

Erst als wir merkten, das irgendwas mit „Püppi“ nicht stimmt, war die Entfernung wieder sehr groß. Im Urlaub und nachher zuhause zu sitzen und nicht helfen zu können, war sehr schwierig.

Die Zeit als es hieß „Ich komm vielleicht zurück“, hat einen aber dann auch wieder traurig gestimmt, weil man wusste , dass Nadine ihren Traum gerne für ein Jahr träumen wollte.

Auf der einen Seite wäre man froh gewesen sie wieder in die Arme schließen zu können, aber auf der anderen Seite wusste man, das es nicht ihr Traum war, so schnell wieder zuhause zu sein.

Freitag der 13.

,,Ich habe eine neue Familie gefunden."

Nach dem Skypen mit dem Aupair und der Gastmutter hieß es dann:“Wir würden uns freuen, dich in unserer Familie begrüßen zu können.

Alles ging so schnell, innerhalb von 5 Tagen war sie dort.

Wieder der Gedanke: ,,Wird sie gut aufgenommen? Passt Nadine zu dieser Familie?Hoffentlich bleibt ihr noch eine Enttäuschung erspart."

Alle, die Nadine`s Einträge lesen, wissen das sie jetzt glücklich ist.

Sie lebt ihren Traum.

Die Erfahrung, die sie in der ersten Familie gemacht und alleine gemeistert hat, wird sie nie vergessen.

Ich denke dadurch ist sie auch ein Stück „erwachsener geworden“.

Dadurch das wir wöchentlich miteinander skypen, merkt man gar nicht, wie lange sie schon weg ist.

Heute vor 3 Monaten haben wir uns von ihr verabschiedet.

Trotz allem:

Dein ständiges Lachen und Kichern fehlt!

Dein ständige Verbessern “Als und Wie“ fehlt!

Dein Kuscheln fehlt!!!

Dein Gemecker beim Essen fehlt!

Deine rumliegenden Klamotten im Badezimmer fehlen!

Papa muss nun den Kaba alleine trinken!

Du fehlst überall !!!!

Der Nudelverbrauch im Hause Faber ist deutlich zurück gegangen!

Ich wünsche mir, das die Zeit ohne Nadine weiterhin so schnell vorbei geht und Nadine IhrenTraum so weiter träumen kann, wie sie sich das vorgestellt hat.

Alle die schon Mutter sind, können sich denken, was es für ein Gefühl ist, wenn sein Kind so weit weg ist, und man nicht helfen kann, wenn es traurig ist.

Trotzdem ist es auch schön zu wissen, dass man sein Kind zu einem Menschen geformt hat, der nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen alleine meistern kann.

Diese Erfahrung muss jeder, der eine früher, der andere später, selber machen.

Ich hoffe, daß ich euch nicht gelangweilt habe mit meinem Bericht.

Seine Gedanken in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach.

P.S. Es wurde schon wieder geweint.

 

 Mama ♥